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52 Millionen Migranten in den USA: Migration und Geldströme verändern Amerika

  • Simon Kiwek
  • 18. Apr. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Jan.

Latinos retten nicht nur ihr eigenes Land: Arbeitskräfte in den USA schicken Geld in ihre Heimat.



Seit Generationen zieht Amerika Auswanderer aus aller Welt an. Jede Einwanderungswelle spiegelte dabei wirtschaftliche Krisen und politische Umbrüche wider. Vor rund hunter Jahren wanderten vor allem Menschen aus Nord- und Westeuropae in. Später folgten Italiener, Südeuropäer und Osteuropäer. Seit den 1970er-Jahren beginnen Einwanderer aus Lateinamerika und seit den 80er Jahren auch Asiaten die Migrationsbewegungen zu dominieren. 2023 lebten rund rund 52 Millionen im Ausland geborene Menschen in den USA – ein Rekordwert. Das macht immerhin 15 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Rund die Hälfte davon kommt aus Lateinamerika und der Karibik. In nur zwei Jahren wuchs diese Zahl um fünf Millionen an. Sie strömen zum größten Teil aus Mexiko illegal über die Grenze. Dieser Anstieg der Migration bereitet schon seit langem jeder US-Regierung Kopfschmerzen. Mit Donald Trump erfährt Migration nun eine neue Brisanz. 


Abbildung 2: Das sich wandelnde Gesicht der Einwanderung in die USA



Rücküberweisungen: Finanzielle Lebensader für Entwicklungsländer


Die USA sind die weltweit wichtigste Quelle für Rücküberweisungen von Migranten in ihre Heimatländer (Remittances). 2023 überwiesen Migranten weltweit 656 Milliarden US-Dollar in ihre Heimatländer. 93 Milliarden davon kamen aus den USA.


Für Länder wie Nicaragua, El Salvador oder viele Inselstaaten der Karibik sind diese Zahlungen ihrer im Ausland lebenden Verwandten essenziell. Sie finanzieren die Grundbedürfnisse, Bildung und medizinische Versorgung und bieten den Daheimgebliebenen finanziellen Rückhalt während Krisenzeiten. Geraten ihre Heimatländer als ganzes in die Krise, stabilisieren sie ganze Volkswirtschaften. 


Venezuela: Ein Land vor dem Kollaps?


Venezuela steht repräsentativ für solch ein fragiles Land in Lateinamerika. Rund 7,7 Millionen Venezolaner suchten bisher ihr Glück im Ausland – viele als Flüchtlinge vor Gewalt und politischer Verfolgung. Der Kollaps der venezolanischen Wirtschaft führte zu einer der größten Flüchtlingskrisen weltweit. Viele von ihnen versuchen sich in die USA durchzuschlagen.


Für viele Venezolaner sind die Rücküberweisungen ihrer Verwandten im Ausland zumeist im Ausland die einzige Lebensader in der durch Misswirtschaft, Sanktionen, Hyperinflation und Kriminalität schwelenden Wirtschaftskrise.  


Früher flüchteten viele nach Kolumbien, Ecuador oder Brasilien. Heute ist Mexiko der wichtigste Transitkorridor für Venezolaner – auf ihrer Reise in die USA. Heute stellen Venezolaner einen Großteil der Einwanderer an den Grenzen zu den USA. 


Mexiko: Transitland im Zentrum der Migration


Früher waren dies die Mexikaner, die als Bittsteller um Einlass in die Vereinigten Staaten baten. Tatsächlich sind Mexikaner noch immer das bedeutendste Herkunftsland, 11 Millionen befinden sich im Ausland, der Großteil von ihnen in den USA. Nach Indien war Mexiko mit 66 Milliarden Dollar der zweitgrößte Empfänger von Rücküberweisungen. 

Längst wurde Mexiko zum größten Migrationskorridor der Welt. Menschen aus aller Herren Länder nutzen Mexiko als Durchgangsstation in Richtung USA – nur allzu oft ohne gültige Dokumente. 


2023 hielten sich rund 782.000 Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus in Mexiko auf – zehnmal mehr als 2020. Allein im ersten Quartal 2024 kamen weitere 360.000 hinzu. Die meisten stammen aus Venezuela, Haiti, Kuba, Kolumbien – vermehrt jedoch auch aus asiatischen und afrikanischen Ländern. 

Die US-Grenzpolitik wird immer weiter verschärft, auch kurzfristig – besonders vor Wahlen. Die Weiterreise in die USA wird so mit jedem Tag beschwerlicher. 

Mexiko wird damit immer mehr zum Nadelöhr für die irreguläre Einwanderung in die USA. Viele Migranten bleiben länger im Land als geplant. Dies belastet auch die Sozialsysteme Mexikos und stellt die Infrastruktur für die Aufnahme und den Transit der Migranten vor immer größere Herausforderungen. Mexiko steht vor enormen sozialen, politischen und humanitären Herausforderungen. 


Die USA reagieren mit regionalen Allianzen


Die US-Zollbehörden berichten inzwischen von etwa 3.700 Aufgriffen pro Tag an der Grenze. Man reagiert mit Kooperationen mit den Transitländern, wie Panama und Guatemale, die so wie Mexiko von den Karawanen an Migranten belastet sind. Auch Mexiko deportiert illegale Migranten inzwischen zurück an seine Südgrenze. 


Dabei stellen die US-Behörden auch eine neue Vielfalt der Migranten fest. Deren Herkunftsländer ändern sich – 24.000 chinesische Staatsbürger wurden 2024 an der US-Grenze aufgegriffen – ein Anstieg von 8.500 Prozent. Auch Einwanderung aus Indien, Senegal und anderen westafrikanischen Ländern nimmt zu. Auch die Mexikaner registrieren eine steigende Anzahl Einwanderer aus Asien – 2021 waren es noch weniger als 300 Inder und Chinesen, 2024 mehr als 12.000.


Damit laufen diese internationalen Kooperationen oftmals ins Leere.


Aufgriffe an der US-Grenze



Quelle: (Vandana, Dilip , Eung , Sonia, & Akhtar, 2024)


Lateinamerikaner als Rückgrat der US-Wirtschaft


Trotz aller Friktionen wurden lateinamerikanische Einwanderer längst eine wichtige Stütze der US-Wirtschaft. Diese profitieren mehr den je von einem robusten US-Arbeitsmarkt. Besonders Branchen wie Gastronomie, Bauwesen und Pflege stieg die Beschäftigung nach der COVID-Pandemie stark an. 


In diesen sind besonders viele Latinos beschäftigt. Die Arbeitslosigkeit unter ihnen sank auf 4,5 Prozent. Seit den Lockdowns ist ihre Beschäftigungsquote sogar höher las die der einheimischen amerikanischen Bevölkerung. 



Quelle: (Vandana, Dilip , Eung , Sonia, & Akhtar, 2024)


Globale Drehscheibe USA: Migration als Balanceakt


Die USA bleiben also das wichtigste Ziel für Migration. Doch um dem Zustrom Herr zu werden, ist man auf die Zusammenarbeit mit den Transitländern südlich der Grenze angewiesen. Diese Länder wiederum hängen selbst von Devisenströmen ihrer MIgranten in den USA ab. Ein vollständiger Stopp könnte zum wirtschaftlichen und sozialen Kollaps führen – und erneut Flüchtlingswellen auslösen.  


Trotz aller politischen Widerstände bleibt Migration also ein Motor für Stabilität – sowohl für Herkufnts- als auch Zielländer. Nichtsdestotrotz: Migration fordert auch die USA in höchstem Maß heraus: Überlastete Sozialsysteme, Integrationsprobleme und gesellschaftliche Spannungen. Auch wenn die aktuelle Administration hart gegenüber Migranten durchgreifen möchte – die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Die demographische Realität verändert die Vereinigten Staaten dauerhaft.



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