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Fabriken und Ölfelder: Asiatische Migranten nutzen weltweit ihre Chancen

  • Simon Kiwek
  • 18. Apr. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Jan.

Vom arabischen Golf bis Malaysia, zwischen Wohlstand und Unsicherheit: Asiatische Migrationsnetzwerke treiben die Wirtschaft voran.


Fast unbemerkt von westlicher Aufmerksamkeit verzahnen sich die asiatischen Volkswirtschaften immer stärker. Während westliche Medien vor allem auf Hochtechnologieländer wie Japan, Südkorea und China schauen, entstehen zugleich Migrationsnetzwerke und Geldströme („Remittances“), die von den USA über Malaysia und Singapur bis nach Saudi‑Arabien und Katar reichen. Entlang dieser Routen fließen Waren, Menschen und Jobs. Es bilden sich grenzüberschreitende Arbeitsmärkte.


Eine Besonderheit Asiens: Viele Länder sind gleichzeitig Herkunfts‑ und Zielländer der Migration. Remittances haben sich für etliche Staaten zur wichtigsten Devisenquelle entwickelt. Heute zirkulieren Schätzungen zufolge rund 85 Mrd. US‑Dollar innerhalb der Region. Dieser Betrag übersteigt die Auslandsinvestitionen um ein Vielfaches. Besonders kleine Inselstaaten im Pazifik wie Kiribati, Tonga oder Samoa sind stark von diesen Überweisungen abhängig.


In Ostasien und der Pazifikregion sind Rücküberweisungen ein Anker der finanziellen Stabilität. Entwicklungshilfe spielt kaum eine Rolle, und ausländische Investitionen schwanken stark. Sie bieten selten finanzielle Sicherheit. Zugleich bleiben jedoch auch die Bilder von ausbeutenden Sweatshops in den Köpfen der Weltöffentlichkeit hängen.



Die größten Herkunftsländer: Indien, China und mehr


Die bevölkerungsreichen Staaten Asiens gehören zu den weltweit wichtigsten Herkunftsländern von Migranten. Inder (19 Millionen im Ausland) und Chinesen (11 Millionen) haben globale Netzwerke aufgebaut.

Das sogenannte Bambus-Netzwerk chinesischer Migranten besteht aus Familienunternehmen und Geschäftsleuten, die außerhalb Chinas leben, aber weiterhin enge Bindungen zum Mutterland pflegen. In Malaysia stellen ethnische Chinesen bis zu 25 Prozent der Bevölkerung und sind dort wirtschaftlich sehr einflussreich. Weitere chinesische Communities finden sich in fast allen großen Städten der Region.


Indische Migranten nutzten die Verbindungen zum britischen Commonwealth, bauten Geschäfte in ehemaligen Kolonien auf und sind heute auch in Großbritannien in Politik und Wirtschaft präsent.

Klassische Arbeitsmigranten kommen zudem aus den Philippinen, Bangladesch, Pakistan, Indonesien, Vietnam und Myanmar. Nepalesen arbeiten häufig in der Gastronomie oder sogar als Söldner in der russischen Armee. Philippinos, deren Land einst US-Kolonie war, arbeiten auf US-Militärbasen oder als Seeleute auf Schiffen.


Auch Fluchtbewegungen prägen Asien. Der Iran hat 3,7 Millionen afghanische Flüchtlinge aufgenommen, Pakistan etwa 2 Millionen. In Bangladesch fanden rund eine Million Rohingya aus Myanmar Zuflucht.


Die größten Empfänger von Remittances liegen in Asien



Malaysia eine neue Heimat für Migranten


Hochqualifizierte Migranten arbeiten vor allem im IT-Sektor oder in der Pflege in den USA, Australien, Japan, Singapur und im Nahen Osten. Weniger Qualifizierte finden meist Jobs im Baugewerbe, in Fabriken, der Landwirtschaft oder als Haushaltshilfen. Frauen arbeiten häufig als Pflegerinnen oder Hausangestellte im Ausland.


Malaysia hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Neben Thailand und Indonesien ist das Land zu einem wichtigen Produktionsstandort der Region geworden. Besonders Singapur verlagerte arbeitsintensive Tätigkeiten nach Malaysia. Das schafft viele Jobs für Migranten.


Malaysia ist wirtschaftlich stark global vernetzt, mit einer Exportquote von 40 Prozent. Das Land gilt als stabil, bietet ein unternehmensfreundliches Umfeld, attraktive Steuern und Rechtssicherheit. Die Infrastruktur ist gut ausgebaut, und die Lebenshaltungskosten sind niedrig. Malaysia ist multiethnisch und mehrsprachig, was Migranten aus der Region den Einstieg erleichtert, etwa für Chinesen und Inder.


Die malaysische Wirtschaft hat wie auch Thailand und Indonesien einen starken Produktionssektor, was das Land anzhiehend macht für zahlreiche Migranten aus der Region.



(Quelle: Weltbank, 2025)


Arbeitsmigration in die Golfstaaten: Chancen und Risiken

Viele Asiaten zieht es zum Arbeiten in die Golfstaaten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Kuwait, Oman und Bahrain. Diese Länder bieten vor allem weniger qualifizierten Arbeitskräften Jobs im Bau und Dienstleistungssektor.

Saudi-Arabien wurde nach den USA die wichtigste Quelle für Remittances. Von dort fließen jährlich etwa 120 Milliarden US-Dollar in die Heimatländer der Migranten. Die Kosten für diese internationalen Überweisungen vergleichsweise gering.


Die hohen Löhne kompensieren etwas für die oft sehr harschen Arbeitsbedingungen vor Ort. Arbeitsrechte sind stark eingeschränkt, Arbeitszeiten lang, und soziale Absicherung fehlt meist. Da jedoch viele Bauprojekte und die Wirtschaft der Golfstaaten vom Ölpreis abhängen, wirkt sich ein Preisverfall direkt auf die Arbeitsmigranten und ihre Familien aus. Die globale Konjunktur beeinflusst damit direkt auch den Wohlstand der Menschen in Südostasien. 



Ein starkes asiatisches Netzwerk


Die Rücküberweisungen aus Ostasien sind von 10 Milliarden US-Dollar im Jahr 2000 auf fast 100 Milliarden US-Dollar gestiegen. Die Entwicklung spiegelt auch die Weltwirtschaft wider: Beschäftigungsmöglichkeiten in den Golfstaaten hängen stark vom Ölpreis ab, und exportorientierte Länder wie Malaysia sind anfällig für globale Krisen.

Damit bremst der Handelskrieg zwischen den USA und China die Nachfrage nach Elektronik aus Malaysia. Dafür können Länder wie Thailand aufgrund Produktionsverlagerungen aus China profitieren. Dies wird auch die Migrationsströme beeinflussen. Zugleich führte ein Boom des Tourismus auf den Philippinen dazu, dass weniger Filipinos das Bedürfnis verspüren, auszuwandern. 


Die Weltbank erwartet somit ab 2024 nur geringe Wachstumschancen für Remittances in Asien – und das noch vor den aktuell tobenden Handelskonflikten. Die Entwicklung in China bleibt für viele Zulieferländer entscheidend, zumal mit seiner drohenden Deflation das Land auch die Märkte selbst mit günstigen Produkten überschwemmt. Zugleich liberalisierten einige Golfstaaten doch nun auch den Familiennachzug, was zu einem Absinken der Rücküberweisungen führte.

Vielen Migranten erwachsen auch neue Herausforderungen. Fortschritte bei der künstlichen Intelligenz und Robotik drohen einerseits, viel Arbeitskraft zu ersetzen. Andererseits stehen viele reiche Länder derzeit vor den Herausforderungen eines demographischen Mangels. Auch in China, Japan und Südkorea altert die Bevölkerung rapide.  

Die Migranten Asiens stehen somit vor vielfältigen Herausforderungen und Unsicherheiten. Wie sie sich dem anpassen, ist derzeit noch unklar. Allerdings fanden sie bisher immer Wege. 


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