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Grüne Revolution weltweit: In Grafiken

  • Simon Kiwek
  • 20. Jan. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Jan.

Erneuerbare Energien boomen weltweit. China geht voran, doch reicht das Tempo für die grüne Revolution?



Abbildung 1 Entwicklung erneuerbarer Energien in ausgewählten Ländern



Die Welt steht vor einer historischen Wende weg von fossilen hin zu erneuerbaren Energien. Doch noch ist die Reise weit, auch wenn die globale Dynamik zunimmt. China steht immer wieder am Pranger, als Werkbank der Welt die Atmosphäre mit CO2 vollzupumpen. Doch gerade das Reich der Mitte beschleunigt seinen Ausbau rasanter als je zuvor. Mit Stand 2023 hatte man dort bereits 1,4 Millionen Megawatt an erneuerbaren Energien installiert - mehr als die Europäische Union und die USA zusammen. Deren Beitrag fällt im Vergleich ab, obwohl auch dort Fortschritte erzielt werden. 


Abbildung 2 Stabile Zuwachsraten erneurbarer Energien



Auch andere Länder können auf solide Zuwachsraten ihrer Kapazitäten verweisen. Indien und Brasilien haben ihre erneuerbaren Energien ebenso ausgebaut, wenngleich auch von einem niedrigeren Ausgangsniveau. Die Europäische Union folgt einem stabilen Wachstumspfad, während die USA aufgrund ihrer politischen Polarisierung in Umweltfragen eine höhere Volatilität zeigen - in Wachstumsphasen vermögen sie die Europäer jedoch sogar überflügeln. Russland hingegen bleibt zurück: Als Heimat gewaltiger Öl- und Gasvorkommen lohnt sich der Umstieg kaum, und außerdem bindet der Krieg in der Ukraine Ressourcen. Insgesamt wachsen die Kapazitäten erneuerbarer Energien weltweit um durchschnittlich 9,5 Prozent jährlich. 


Abbildung 3 Zuwachs an Wasserkraft



Neue Wasserkraftwerke bleiben vor allem den Chinesen und einigen wenigen Schwellenländern vorbehalten. Der Bau solcher Anlagen ist komplex, teuer und langwierig. Gehen diese schließlich ans Netz, so führen sie in kleineren Ländern allerdings zu einem bedeutenden Sprung in der Energiebilanz. In China treibt ein regelrechter Infrastrukturboom den Ausbau voran: Flüsse werden reguliert, aufgestaut und abgepumpt - nicht nur zur Energieproduktion, sondern auch, um ein modernes Verkehrsnetz aus Wasserstraßen aufzubauen und die Bewässerung der Landwirtschaft zu verbessern. In den Industrieländern sind die meisten Wasserressourcen bereits genutzt, und der Ausbau bietet kaum noch Spielraum.  


Abbildung 4 Windkraftkapazitäten



Windkraft bleibt das Metier der großen Industrieländer, sei es an Land oder in Offshore-Parks an den Küsten. China dominiert auch hier und stellt alle anderen in den Schatten, gefolgt von der Europäischen Union. Je nach Standort produziert ein Windrad zwei bis drei Megawatt. Bei voller Auslastung versorgt ein Windrad damit 1.000 bis 2.500 Haushalte, je nach Pro-Kopf-Stromverbrauch des jeweiligen Landes. Die USA konnten auch hier seit dem Amtsantritt von Präsident Joe Biden aufholen, hinken aber so wie Indien weiterhin hinterher. 


Abbildung 5 Jährlicher Zuwachs an Solarenergiekapazitäten



Dabei ist der eigentliche Wachstumschampion die Solarenergie. Auch hier wird China für seine großzügigen Subventionen an die chinesische Solarindustrie gescholten. Doch genau diese preiswerten Photovoltaik-Anlagen treiben die grüne Transformation weltweit voran. Mit inzwischen 600.000 Megawatt installierter Kapazität zeigt China eine stark steigende Tendenz. Auch Europa konnte die Installation neuer Solaranlagen deutlich steigern - nicht zuletzt getrieben durch die explodierenden Gaspreise, ausgelöst durch den Einmarsch Russlands in die Ukraine. Auch in den USA und Indien motivierten die hohen Energiepreise zum Umstieg auf Solarkraft, wenngleich dies auch weniger ausgeprägt erfolgte. 


Abbildung 6 Entwicklung der weltweiten erneuerbaren Energiekapazitäten



Solarenergie findet weltweit ihren Platz. Heute sind 1,5 Millionen Megawatt in Betrieb - inzwischen konnte die Technologie sogar zur bisher dominierenden Wasserkraft aufschließen. Diese behält jedoch eine tragende Rolle bei der globalen Energieproduktion. Auch Windkraft trägt immer mehr zum globalen Energiemix bei. Während der Großteil davon in den reichen Industrienationen und China installiert ist, machen auch Schwellenländer Fortschritte, ihre Energiesysteme klimafit zu gestalten. 


Abbildung 7 Per Sonnenenergie angetriebene Pumpanlagen in Syrien



Ein Blick in die Off-Grid-Statistiken offenbart, wie wichtig erneuerbare Energien besonders für die Entwicklung ärmerer Länder sind. Diese machen zwar nur einen Bruchteil der globalen Kapazitäten aus, führen jedoch zu spürbaren Verbesserungen im Alltag der Menschen. So unterstützt etwa der Syria Recovery Trust Fund zahlreiche Einrichtungen, die aufgrund der instabilen Versorgungslage durch zusammenbrechende Stromnetze und Dieselknappheit für Generatoren ansonsten ihren Betrieb einstellen müssten. Auf diese Weise können Behörden vor Ort wesentliche Dienstleistungen, wie den Betrieb von Krankenhäusern oder der Wasserversorgung aufrechterhalten.  In privaten Haushalten werden Off-Grid-Systeme unverzichtbar. Kostengünstige chinesische Solarpanels ermöglichen es, Smartphones aufzuladen, Licht zu erzeugen und Haushaltsgeräte zu betreiben. Sie treiben sogar Pumpen mit Sonnenkraft an und ermöglichen so die Bewässerung von Feldern und sorgen auf Märkten für Kühlräume. Allein in Afrika verfünffachte sich die Anzahl autonomer Solaranlagen - sinnbildlich für andere Off-Grid-Lösungen, wie kleine Wasserkraftwerke. (Quelle: Ammar-_Alzeer/Shutterstock, 2020)


Abbildung 8 Anteil erneuerbarer an Stromproduktion



Doch parallel zum beeindruckenden Zuwachs erneuerbarer Energiekapazitäten wächst auch der globale Energiebedarf insgesamt. Weiterhin werden zahllose Gas- und Kohlekraftwerke gebaut und drohen die Fortschritte der CO2-Einsparung durch Erneuerbare wieder zunichte zu machen. Ein wichtiger Indikator für den Fortschritt bleibt der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion - wenngleich Elektrizität nur etwa ein Viertel des gesamten Energieverbrauchs darstellt. In relativer Hinsicht ist die Entwicklung dennoch ermutigend: In der Europäischen Union stammen inzwischen über 80 Prozent der Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen - auch wenn die Stabilität der Versorgung noch verbessert werden muss. China hat ebenfalls stark aufgeholt und erreichte im Jahr 2023 einen Anteil von 50 Prozent. Sowohl Indien als auch die USA zeigen eine steigende Tendenz, bleiben jedoch hinter dem globalen Trend zurück. 

Insgesamt ist die grüne Transformation weltweit in vollem Gange. Für die Bürger von Schwellen- und Entwicklungsländern eröffnet sie die Chance auf mehr Unabhängigkeit von oft unzuverlässigen zentralisierten Energienetzen. Viele dieser Länder könnten langfristig einen alternativen Entwicklungspfad einschlagen, der sich von der kohlenstoffintensiven Vergangenheit der Industrieländer stark unterscheidet. Doch die Geschwindigkeit und der Ehrgeiz der Transformation reichen noch nicht aus, um die selbst gesteckten Klimaziele zu erreichen. Besonders im globalen Süden bleibt der Zugang zu Energie - der Grundpfeiler wirtschaftlicher Entwicklung - eine zentrale Herausforderung. 



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