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Nigerias Schatten der Vergangenheit

  • Simon Kiwek
  • 8. Feb. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Jan.

Die Hafenstadt Badagry war einst ein zentrales Drehkreuz für den Sklavenhandel. Heute erinnert ein Museum an der Antlantikküste daran.



Badagry als Handelszentrum der Sklaverei


Badagry war einer von mehreren Häfen entlang der westafrikanischen Küste, über die Menschen als Zwangsarbeiter für Plantagen in Nord- und Südamerika verschifft wurden. Europäische Händler – insbesondere Portugiesen, Briten, Niederländer und Franzosen – errichteten Handelsstationen und tauschten Waren wie Gewehre, Alkohol und Textilien gegen Sklaven, die von afrikanischen Zwischenhändlern geliefert wurden. Nicht zu selten waren die Tauschwaren aus Rohstoffen gefertigt, die Sklaven in der Neuen Welt abbauen mussten. In Badagry wurden die Menschen in Lagern festgehalten, bevor sie durch die sogenannte „Point of No Return“-Route zum Ozean gebracht wurden.


Abbildung 1 Ein Denkmal an der Route of no Return



Auf der Gberefu-Insel befindet sich ein Denkmal am “Point of No Return”. Wer diesen Ort bis ins 19. Jahrhundert betrat, kehrte nie wieder in seine Heimat zurück. Etwa drei Millionen Afrikaner wurden von hier aus auf die Plantagen und Minen Amerikas und der Karibik verschleppt. 


Das Badagry Heritage Museum dokumentiert diesen Abschnitt der Geschichte anhand von Artefakten, historischen Dokumenten und Nachbildungen der damaligen Gefängnisse und Handelsräume. Es zeigt, unter welchen Bedingungen die Menschen transportiert wurden, wie sie auf Sklavenmärkten versteigert wurden und welche wirtschaftlichen Strukturen den Handel aufrechterhielten.


Abbildung 2  Die Statue des Punktes von No Return



Als kraftvolles Symbol erinnern diese beiden Sklaven an die Ära der Sklavenhändler, wie sie ihre Ketten sprengen. Eine Ära, die sich bis heute in das kollektive Gedächtnis Afrikas eingeprägt hat. 




Wirtschaftliche und soziale Folgen


Die Auswirkungen des Sklavenhandels auf Westafrika waren erheblich. Die systematische Entvölkerung führte zu einem dauerhaften Arbeitskräftemangel in der Region, der die Landwirtschaft und handwerklichen Produktionszweige schwächte. Zugleich verstärkte die Nachfrage nach Gefangenen Konflikte innerhalb afrikanischer Gesellschaften, da lokale Gruppen in den Handel involviert waren, um Zugang zu europäischen Gütern zu erhalten. Diese innerafrikanischen Kriege destabilisierten politische Strukturen und führten zu langfristigen Machtverschiebunen, die bis heute nachwirken. 

Nach der formellen Abschaffung des Sklavenhandels durch Großbritannien (1807) und später durch andere Kolonialmächte blieb Badagry ein Handelszentrum. Gehandelt wurde von nun an jedoch mit natürlichen Rohstoffen. Besonders Palmöl, das für die europäische Industrieproduktion an Bedeutung gewann. Die durch den transatlantischen Sklavenhandel geprägten Wirtschaftsstrukturen blieben somit weiter bestehen: Afrikanische Märkte blieben auf den Export von Rohstoffen ausgerichtet, während die Wertschöpfung weiterhin in Europa stattfand. Diese Wirtschaftsstruktur, die auch in der Kolonialzeite weitergeführt wurde, schuf langfristige Abhängigkeiten, die bis heute ins 21. Jahrhundert nachhallen. 

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