Norwegens fahrende Handwerker verbinden abgelegene Dörfer
- Simon Kiwek
- 6. Juni 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Jan.

Boten, Handwerker und Geschichtenerzähler: Bevor Züge und Straßen Norwegen verbanden
Im ausgehenden 19. Jahrhundert war das ländliche Norwegen vom einfachen Leben, harter Arbeit und starkem Zusammenhalt in kleinen Gemeinden geprägt. Die Dörfer lagen abgeschieden – getrennt durch Berge, Fjorde und dichte Wälder. In dieser Isolation ließ man sich eine besondere Form der Selbstversorgung einfallen.
Dabei war der Tausch von Waren und Dienstleistungen ebenso wichtig wie der Umgang mit Geld. Weil spezialisierte Berufe in abgelegenen Regionen kaum exisitierten, vereinten viele Handwerker viele Fähigkeiten in einer Person.
Wanderhandwerker überbrücken die Distanzen
In diesem Umfeld spielten wandernde Handwerker wie Eilef Bråten eine zentrale Rolle. Sie trugen ihr gesamtes Hab und Gut auf dem Rücken oder zogen es in einfachen Karren hinter sich her. Von Dorf zu Dorf unterwegs, flickten sie Töpfe und Pfannen, besserten Schuhe aus, reparierten landwirtschaftliches Gerät oder fertigten einfache Metallwaren.
Handwerker als Träger von Wissen und Nachrichten
Diese Männer waren nicht nur geschickte Tüftler. Sie brachten auch Geschichten, Neuigkeiten und Lieder mit – trugen diese weiter von Dorf zu Dorf. Als Reisende verknüpften sie isolierte Gemeinschaften miteinander. Sie waren oft willkommene Gäste.
Immerhin brachten sie ein Stück Welt mit, das an langen Abenden am Herdfeuer weitererzählt wurde.
Die Strapazen auf der Straße
Dabei war das Leben für die Handwerker auf der Wanderschaft hart. Die Straßen waren oft unbefestigt, das Wetter war rau – besonders im nordischen Winter Norwegens. Eine eingefrorene Brücke oder ein reißender Fluss konnte schnell zur tödlichen Gefahr werden. So wie es Eilef Bråten geschah, als er 1899 starb, als er versuchte, einen eisigen Fluss zu überqueren.
Respekt trotz großer Entbehrung
Aufgrund ihrer Mühen, die sie auf sich nahmen, genossen viele dieser Männer großen Respekt. Sie galten als unabhängig, erfahren und lebensklug – manchmal etwas eigenwillig, aber oft geschätzt. Ihr Handwerk, ihre Geschichten und ihre Anpassungsfähigkeit machten sie zu geachteten Persönlichkeiten in einer rauen Welt.
Doch mit der an Fahrt aufnehmenden Industrialisierung wuchs auch die Mobilität der Menschen. Mit ihr verloren auch die wandernden Handwerker nach und nach ihren Platz in der Gesellschaft.
Bessere Transportwege, befestigte Straßen ermöglichten die zuverlässige Versorgung von stationären Betrieben: spezialisierte Schmieden, Schuster- und Schlossereibetriebe ersetzten die fahrenden Handwerker.





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