KI-Islamisten und Krypto-Kommunisten: High-Tech in der Isolation
- Simon Kiwek

- 21. Feb.
- 9 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Feb.
Embargos als Turbo: Wie Sanktionen Ingenieure, Hacker und Tüftler zu Eliten einer neuen Schatten-Ökonomie machen.

Wenn im Westen politische Entscheidungsträger Sanktionen gegen Iran, Nordkorea oder Russland entwerfen, gehen sie unhinterfragt von einer scheinbar festen ökonomischen Grundannahme aus: Nur Freihandel und Liberalisierung ermöglichen Innovationen, technischen Fortschritt und damit Wohlstandsgewinne.
Sanktionen trennen Länder von globaler Arbeitsteilung, Know-how und großen Absatzmärkten ab. Viele westlichen Regierungen glaubten lange, sie könnten mit ihrer Marktmacht in der globalisierten Weltwirtschaft anderen Ländern ihren Willen aufzwingen.
Doch im Schatten dieses Dominanzanspruchs entstanden in sanktionierten Ländern stattdessen eigene Innovationsökosysteme. Im Iran entwickelten Ingenieure Drohnen und Raketen – und ein lebendiges KI-Ökosystem. Das geschah trotz Exportkontrollen, die Teheran von westlichen Luft- und Raumfahrt-Lieferketten abschneiden.
Nordkoreas Cyber-Einheiten orchestrieren Krypto-Diebstähle in Milliardenhöhe. Sie nutzen ausgefeilte Methoden, um Blockchain-Forensik zu umgehen. Diese Fähigkeiten nehmen es mit den fortschrittlichsten westlichen Einheiten zur Bekämpfung von Finanzkriminalität auf.
Auch China suchte nach Alternativen, als die USA und ihre Partner den Zugang zu Hochleistungs-Chips einschränkten. Programmierer und Firmen entwickelten Modelle wie DeepSeek, die mit westlichen Pendants mithalten.
Nicht nur Sanktionen lösen Anpassung aus. Auch geographische Abgeschiedenheit – etwa in Nepal – oder ein schwacher Staat erzwingen oft pragmatische Lösungen. Mobile-Money-Plattformen und über soziale Medien organisierte Netzwerke schaffen dann eine Art Alltags-Infrastruktur für Zahlungen, Handel und Koordination.
Isolation und Innovation können sich also durchaus gegenseitig verstärken. Knappheit erzeugt technologischen und institutionellen Einfallsreichtum. Menschen und Unternehmen experimentieren, um Restriktionen zu umgehen – aus Not, aber oft auch aus Ehrgeiz und unternehmerischem Geist.
Rhodesiens Industrieboom unter Sanktionen
Dabei ist diese Erkenntnis keinesfalls neu. Nach der einseitigen Unabhängigkeit des rhodesischen Minderheitenregimes im heutigen Simbabwe 1965 verhängten Großbritannien und später auch die UNO Sanktionen. Sie zielten auf maximale Isolation: Öl, Maschinen und Ersatzteile - das Land sollte von allem abgeschnitten werden.
Doch anstatt zu kollabieren, blühte Rhodesiens Wirtschaft auf: Die Wirtschaftsleistung wuchs in den 1960er-Jahren jährlich um bis zu sechs Prozent. Die Landwirtschaft konnte auf heimisch produzierten Dünger zurückgreifen. Der Kaffeeexport boomte über Schmugglerrouten nach Mosambik und Südafrika.
Doch am meisten trug die Produktion zum Wirtschaftswachstum bei. Eine Bastlerkultur entstand. Ingenieure improvisierten und entwickelten.
Eine bereits existierende Fertigungsindustrie explodierte regelrecht: Stahlwerke, Schwermaschinen, Transportausrüstung und Legierungen. Firmen bauten den berühmten Land Rover nach. Die Aluminium- und Textilindustrie boomten, und sogar Flugzeuge wurden heimisch produziert.
Erst der Buschkrieg 1974 bremste diese Kreativität ein
Notwendigkeit, die Mutter aller Dinge
Eigentlich müsste also bekannt sein, dass Beschränkungen die Innovation anheizen können. Wenn Volkswirtschaften groß genug sind, kann auch innerhalb des Landes Wettbewerb herrschen. Unternehmen konkurrieren um die besten Ideen. Sie kombinieren Vorhandenes auf kreative Weise neu – erst recht, wenn ein Land mit einem übermächtigen Gegner wie den USA rivalisiert.
Schwache oder fehlende Finanzierung zwingt zur Öffnung anderer Kanäle: Agentennetzwerke, mobile Wallet, Diaspora-Kontakte und Krypto.
Wenn Inputs vom Weltmarkt nicht mehr verfügbar sind, ersetzt man sie durch eine Alternative, die auch lokal funktioniert. Isolation zwingt zu Reparatur und Wiederverwendung: Menschen lernen, Systeme mit austauschbaren Teilen und improvisierten Werkzeugen – Spucke und Kaugummi - am Laufen zu halten.
Ohne ausländische Unternehmen, die Marktanteile mit ihren überlegenen Finanzmitteln verteidigen, können sich neue Lösungen schneller verbreiten, wenn sie Alltagsprobleme lösen. Meistens benötigen sie keine Spitzenforschung – nur die Bereitschaft, aus den Kundenreaktionen schnell zu lernen und zu improvisieren.
Der Wegfall ausländischer Technologie, Komponenten oder Kapital heizt diese Kreativität an. Das gilt besonders, wenn formelle, gut bezahlte Jobs rar sind. Mittels Reverse Engineering versucht man, ausländische Technologien mit lokalen Ressourcen nachzubauen.
Somalia: Mobile Money als Gesellschaftsvertrag
In Somalia entstand Mobile Money zum Beispiel nicht, weil es für Unternehmen die profitabelste oder einfachste Option war, sondern weil klassische Bankinfrastruktur fehlte. Man musste dennoch Werte speichern und transferieren.
Ohne funktionierenden Staat oder formelle Bankfilialen bauten somalische Unternehmer und Akteure der Diaspora mit dem Aufkommen des Mobiltelefons ab 2010 Netzwerke auf, die auf Mobilfunkguthaben und sozialem Vertrauen beruhen. Sie schufen ein Mobilfunknetz, das es der weitverstreuten somalischen Diaspora ermöglicht, Geld aus allen Teilen der Welt an Verwandte zu überweisen.
Nepal liegt umgekehrt eingeklemmt zwischen den riesigen Volkswirtschaften Indien und China. Sein gebirgiges Terrain, sein kleiner Binnenmarkt und seine geringe Bevölkerungsdichte haben die Reichweite traditioneller Banken begrenzt. Anstatt eines physischen Filialnetzes bauten nepalesische Banken und Fintech-Startups ein buntes Bündel digitaler Zahlungssysteme auf. So verbanden sie entlegene Dörfer im Himalaya mit ihren Verwandten, die auf der arabischen Halbinsel oder in Indien arbeiteten und Remittances überwiesen.
Iran: Eine sanktionsresistente Tech-Macht
Im Iran sollten Sanktionen vor allem die Möglichkeiten der militärischen Entwicklung stoppen. Stattdessen schufen sie starke Anreize für inländische Innovationen. Das Land hat jahrzehntelange Erfahrungen mit Isolation und konnte sich seit den Verschärfungen 2010 schnell anpassen.
Statt fortgeschrittene Programme, besonders im Rüstungsbereich, aufzugeben, reagierte die Islamische Republik mit einer Kombination aus Reverse Engineering, Schmuggelnetzwerke und eigenständiger Entwicklung.
Iranischen Ingenieuren gelang die Entwicklung eines breiten Spektrums ballistischer Raketen, Drohnen und sogar einer im Land produzierten Kampfjet-Plattform. Ganz zu schweigen von seinem fortgeschrittenen Atombomben-Programm.
Im zivilen Bereich führten die Sanktionen zu parallelen Systemen in der zivilen Luftfahrt und bei Halbleitern. Im Iran operieren 24 Airlines – in den ganzen USA sind es 26. Die Piloten sind besonders erfahren im Umgang mit unvorhergesehenen Problemen. Der Wettbewerb und die Notwendigkeit treibt sie an.
Der ständige Mangel an Ersatzteilen und ausländischem Service zwingt sie zu ständiger Innovation und eigenständigen Reparaturzentren. Ein neues Forschungszentrum entwickelt eigene Lösungen, wo Gebrauchtteile nicht mehr verfügbar sind – seit Russland dem Klub der sanktionierten Länder beigetreten ist, schickt Aeroflot ihre Maschinen zur Wartung in den Iran.

Mikroelektronik und Künstliche Intelligenz „Made in Iran“
Die Sanktionen drängten den Iran in Richtung eigener lokaler Chip-Design- und Montagekapazitäten. Deren Produkte sind nicht nur militärisch wichtig. Sie schaffen auch Jobs für Hunderttausende junger Iraner in Ingenieursbüros, Werkhallen und IT-Firmen - oft besser bezahlt und zukunftsfähiger als klassische Regierungsjobs. Auffällig ist auch der Frauenanteil in technischen Studiengängen und Forschungsinstituten. So gelingt manchen ein gesellschaftlicher Aufstieg innerhalb der rigiden islamischen Gesellschaft.
Sie sind zudem in Startups tätig, die eigene Zahlungs- und E-Commerce-Lösungen, Cloud-Dienste und Messaging-Apps entwickeln, da ausländische Dienste blockiert sind. So entsteht eine Art „Iranet“: ein halb kontrolliertes, halb subversives Parallel-Internet.
Darüber hinaus überrascht der Iran auch als KI-Pionier. Trotz US-Embargos setzt Teheran seit 2021 seine eigene nationale KI-Strategie um. Damit möchte der Iran unter die Top 10 in AI für Governance und Digitalwirtschaft gelangen. Zusammen mit China und Russland treibt selbst der Oberste Führer Khamenei diese Entwicklung persönlich voran.
Mit einem 1,68 Milliarden-Dollar-Fond für KI-Infrastruktur wie GPU-Rechenzentren und KI-Parks sowie F&E-Förderungen soll die Forschung und Kommerzialisierung vorangetrieben werden.
Dank Irans Humankapital mit Millionen STEM-Absolventen, die für geringe Löhne arbeiten, entwickelte sich ein KI-Ökosystem und lokale Hardware-Entwicklung. Militärische Anwendungen wie KI-Drohnen und Cyber-Sicherheit lassen sich auch auf zivile Nutzung übertragen.

China an der Spitze des KI-Rennens
Westliche Exportkontrollen für fortgeschrittene Halbleiter und Produktionstechnologien - wie jene von ASML, die zum Training von Large Language Models verwendet werden - schränken den Zugang ein.
In Reaktion darauf optimierten chinesische Unternehmen und Forscher ihre Software-, Hardware-, und Datenstrategien. So erreichten sie mit weniger leistungsfähigen, im Inland verfügbaren Chips hohe Performance. China treibt diese Logik auf die Spitze.
Mit DeepSeek entwickelte ein chinesisches Unternehmen schließlich ein Sprachmodell, dessen Leistung mit westlichen Modellen vergleichbar ist, obwohl es auf Hardware trainiert wurde, die mehrere Generationen hinter der technologischen Spitze liegt. Hardware-Beschränkungen zwingen chinesische Ingenieure, zusätzliche Arbeit in Effizienz zu investieren. Sie machen Modelle kleiner, günstiger und sparsamer im Rechenbedarf. Das führte häufig zu cleveren algorithmischen Abkürzungen und neuen Optimierungstechniken.
Eigene KI-Lösungen können effizienter in die eigene Gesellschaft integriert werden, da sie lokale Prioritäten widerspiegeln: Sie helfen Schülern in abgelegenen Gegenden beim Zugang zu Nachhilfe, unterstützen Ärzte in unterversorgten Kliniken und Schweinezüchtern bei der Versorgung ihrer Tiere.
Mit ihrem Embargo wollte Washington die Chinesen eigentlich ausbremsen. Stattdessen wandelten diese es in neuen Schwung um. China errichtete seine eigene „Great Firewall“ und investierte stark in eigene KI-Infrastruktur. Jedes Jahr ergänzen 200.000 neue KI-Spezialisten Chinas Arbeitsmarkt. Damit bedroht es Amerikas strategische Vormacht.

Nordkoreas dunkle Künste
Ausgerechnet Nordkorea, das wohl isolierteste Land der Welt, von allen Zahlungsströmen abgeschnitten, entwickelte sich zum Zentrum der „Krypto-Revolution“ – wenngleich man die Kompetenzen lieber für Cyberkriminalität einsetzt als für konstruktive Zwecke.
Kryptowährungen wurden zum Überlebensinstrument des Regimes in Pjöngjang, und sein Hacker-Apparat zu seinem Werkzeug. Nordkoreanische Cyber-Einheiten treiben sich auf Kryptobörsen, Gaming-Plattformen und Blockchain-Brücken herum und greifen sie mit Malware, Phishing und Social Engineering an. Ihre Fähigkeiten ergänzen sie mit Geduld und Disziplin. Experten beschreiben den nordkoreanischen Hacking-Apparat inzwischen als staatlich gestützte Cyber-Mafia.
Pjöngjang orchestriert ein komplexes Geflecht aus Cross-Chain-Transaktionen und Geldwäschetechniken. Deren Raffinesse kann es mit westlichen Finanzermittlern aufnehmen kann. Man baute sich Expertise in Verschlüsselung, Netzwerken und digitaler Finanztechnik auf. Krypto-Währung ist eine der wenigen skalierbaren Möglichkeiten, harte Währung zu beschaffen, ohne physische Güter verschiffen zu müssen.
Das führt zu einer paradoxen Kombination: eine Gesellschaft, die in vielen Sektoren unterentwickelt ist – auf 25 Millionen Nordkoreaner kommen gerade einmal 1,2 Millionen Internetanschlüsse – und zugleich Weltklasse-Fähigkeiten hervorbrachte, die nötig sind, das globale Krypto-Ökosystem zu navigieren und auszubeuten.
2025 gelang es der Lazarus-Gruppe, die Vorsitzender Kim Jong-Un persönlich aufgebaut haben soll, 1,5 Milliarden US-Dollar von der Kryptobörse ByBit zu erbeuten. Alleine 2025 sollen 60 Prozent aller globalen Hacks auf ihr Konto gehen.
Die Beute wird über chinesische „Laundromats“ gewaschen. OTC-Broker in Südostasien kaufen die gestohlenen Coins günstig und tauschen sie weiter.Hardware für Raketen und Satelliten
Seit 2006 durch ein UN-Embargo belegt, gelang es dennoch, über kreative Beschaffungsmethoden Dual-Use-Güter, Maschinen und Elektronik ins Land zu schaffen. Pjöngjang finanziert seine Entwicklung von Raketen, Satelliten und Cyberwaffen mit Kryptowährungen.
Obwohl sich selbst Peking und Moskau lange an den Sanktionen beteiligten, verläuft der Großteil des Schmuggels über China: Chips, Elektronik. Diese versucht man über Reverse Engineering zu Hause nachzubauen.
Dazu betreibt Pjöngjang ein Netzwerk aus Fake IT-Arbeitern. Sie nehmen ausländische Identitäten an, um als Remote-Arbeiter Jobs an Land zu ziehen. So lukriert man zusätzlich Knowhow und Einnahmen für das Land. Auf diese Weise kamen Designs zu Halbleitern, Uranverarbeitung und sogar Raketen- und Satellitentechnologie ins Land.
Mehr als jedes andere Land übrigens bietet sich die Ukraine an. Dort haben sich ganze Netze aus Mittelsmännern gebildet, die Plätze in Laptop-Farmen anbieten. Von dort aus eröffnet sich Nordkoreas Hackern die digitale Welt.
Diese Einnahmequellen verschaffen dem Regime auch Resilienz. Man baut eigenständig Rechenzentren und Cyber-Agenten auf. Die Schatten-IT-Wirtschaft bindet die Jugend ein und bietet ihr Perspektiven.

Isolation: Brutstätten für Eliten
Isolation zwingt nicht einfach nur ein paar Ingenieure dazu, zu improvisieren. Das Ergebnis ist keine simple Kopie des Silicon Valley hinter Stacheldraht, sondern ein völlig eigenes Innovationssystem. Es ist schlanker und viel eher bereit, unkonventionelle Lösungen probieren. Vor allem fokussiert es sich auf unmittelbare Bedürfnisse, weil die inländische Nachfrage zum einzigen echten Markt wird.
In offenen Volkswirtschaften wandern die talentiertesten Ingenieure, Wissenschaftler und Unternehmer häufig in Zentren globaler Technologie, Finanzen und Wissenschaft ab. Der heimische Pool an Talenten trocknet aus. In sanktionierten Ländern sind deren Möglichkeiten jedoch begrenzt.
Auch Unternehmen können ihre Arbeitsschritte nicht einfach ins Ausland outsourcen. Dadurch konzentriert sich das Humankapital zuhause. Dichte berufliche Netzwerke ermöglichen den schnellen Wissenstransfer.
Abgeschnitten vom Import ausländischer Lösungen werden in iranischen Werkstätten, Nordkoreas verborgenen Coding-Schulen und Chinas eigenständigen KI-Laboren Menschen trainiert, selbst zur Lösung zu werden. Leidensdruck wird so zum kraftvollen Motor technischer Entwicklung.
Isolation kann zudem die Macht etablierter Interessen brechen, die Fortschritt und Wandel blockieren. Dazu zählen Gewerkschaften, Regulierer, etablierte Unternehmen und Lobbys, die Wettbewerb ersticken. Der Fokus liegt auf Effektivität und nicht auf Interessenausgleich. Regierungen bündeln die Ressourcen in wenigen erfolgversprechenden Sektoren.
Ähnliches können wir in der Ukraine auf beiden Seiten der Front erleben, in der zusammengebastelte Drohnen inzwischen das Schlachtfeld bestimmen.
Ein zweischneidiges Schwert
Auf der einen Seite verengt die Isolation die Möglichkeiten des einzelnen, Armut und Repression vermag sich zu verfestigen – auf der anderen Seite schärft sie den Fokus auf Innovationen, lenkt Talente um und zwingt Gesellschaften dazu, alternative Systeme zu bauen. In einzelnen Domänen erstaunlich fortgeschritten sind.
Manchmal strahlen sie sogar in den Rest der Welt aus – wie im Fall des chinesischen KI-Ökosystems. Ohnehin, seitdem mit Amerikas Handelskriege fast jeder große Wirtschaftsraum außerhalb der westlichen Welt sanktioniert ist, handeln die großen Handelsräume untereinander.
Huawei: Eine Hightech-Gigant, den es nicht geben dürfte

2024 meldete der chinesische IKT-Konzern Huawai einen Umsatz von 862,1 Milliarden Yuan, 22,4 Prozent mehr als 2023. Das war die größte Wachstumsrate seit fünf Jahren. Dem Konzern gelang es, seinen gigantischen Heimatmarkt zu nutzen, um sein Geschäft zu diversifizieren.
Dabei hatten die USA 2019 Huawai und 68 seiner Partner von Schlüsseltechnologien abgeschnitten: Google Services, Hightech-Chips, Maschinen zur Halbleitererzeugung und Robotik. Nachdem das Unternehmen 2021 seinen ersten Schock verdaut hatte, trat es in eine Umstrukturierungsphase ein.
Huawei’s Existenz hing davon ab, sanktionierte Komponenten und Dienste zu ersetzen, die das Unternehmen selbst kontrollieren konnte: heimische Zulieferer, neu konstruierte Geräte und Software-Ökosysteme, die weniger von US-Plattformen abhingen.
Das Mate 60 Pro wurde zum Symbol für den Erfolg dieser Anpassungsstrategie: Fachleute, die das Gerät auseinanderbauten, fanden darin einen Kirin-Prozessor. Er wurde in China beim Shanghaier Chips-Hersteller SMIC gefertigt – in einer Strukturgröße, die ungefähr der 7-Nanometer-Klasse entspricht. TechInsights wertete das als Zeichen, dass China bei der heimischen Chipfertigung vorankommt, obwohl dafür bisher modernste EUV-Lithographie-Maschinen aus dem Westen nötig waren.
Huawei gelang es nicht nur, westliche Inputs zu ersetzen. Der Konzern stellte sich sogar breiter auf. Er baute in China ein eigenes Ökosystem auf und skalierte es hoch.




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