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Lagos: Die Geschichte zweier Megacities

  • Simon Kiwek
  • 26. Feb. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Jan.

Wo einst Kolonialherren regierten, treffen sich heute Demonstranten und Geschäftsleute. Der Independence Square erzählt die Geschichte einer Stadt im Umbruch.



Von der Kolonialzeit zur Unabhängigkeit


Während der britischen Herrschaft war Lagos eine funktionale Stadt – gebaut für Handel, Verwaltung und Kontrolle. Plätze wie der Tinubu Square dienten dabei eher als Verwaltungszentren denn als Orte des öffentlichen Lebens. Die Infrastruktur war eher auf die Bedürfnisse der Kolonialmacht ausgerichtet - nicht auf die der lokalen Bevölkerung.


Mit der Unabhängigkeit änderte sich das. Der Platz wurde ein Ort der nationalen Identität. Nigerianische Flaggen ersetzten britische Embleme, neue Gebäude entstanden, Springbrunnen und Grünanlagen wurden angelegt. Statt eines kolonialen Machtzentrums entstand ein öffentlicher Raum für politische Versammlungen, Feiern und wirtschaftliche Aktivitäten – nun für die nigerianische Bevölkerung und nicht mehr die britische Verwaltung. 


Ein Platz zwischen Identität und Ökonomie


Öffentliche Plätze sind nicht nur architektonische Elemente, sondern Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Während Lagos in den 1960ern seinen Unabhängigkeitsplatz als Symbol der Selbstbestimmung neu gestaltete, modernisierten europäische Städte wie London und Paris ihre urbanen Zentren in eigener Tradition weiter. In der Nutzung unterschieden sie sich. 

In Europa wurden zentrale Plätze zunehmend kommerzialisiert – mit Cafés, Geschäften und touristischen Attraktionen. In Lagos dagegen blieb der Independence Square ein Raum für soziale und politische Begegnungen – ein Ort für Demonstrationen, Reden und nationale Feierlichkeiten.


Städte wie London, Paris oder Berlin, die bereits im 19. Jahrhundert auf U-Bahnen und Straßenbahnen setzten, investierten weiter in den Ausbau ihres öffentlichen Verkehrs. Lagos hingegen konzentrierte sich in den 1960er Jahren aus finanziellen und strukturellen Gründen primär auf den Ausbau der Straßeninfrastruktur. 


Lagos als aufstrebende Metropole


Da Nigeria kaum industrialisiert war und keine eigene Schienenproduktion besaß, waren Straßen die schnellere und kostengünstigere Option. Bald dominierten Autos, Busse und Fahrräder das Stadtbild. Während europäische Städte auf große Fabriken und industrielle Produktion setzten, entwickelte sich Lagos zunehmend zu einer Dienstleistungs- und Handelsstadt.



Der Independence Square in Lagos Nigeria, circa um 1960er Jahre kurz nach der Dekolonialisierung. Autos, Fahrräder und Fußgänger prägen das Stadtbild. (Quelle: Yorubaness, 1963)


Heute ist Lagos eines der wichtigsten wirtschaftlichen Zentren Afrikas. Wo einst koloniale Verwaltungsgebäude standen, prägen heute Banken, Bürohochhäuser und multinationale Unternehmen das Stadtbild. Doch das Wachstum hatte seinen Preis.


Der massive Fokus auf Straßen statt in öffentlichen Nahverkehr führte schnell zum Verkehrskollaps. Moderne Infrastruktur wurde vorrangig in zentrale Geschäftsviertel investiert, während zugleich in anderen Teilen der Stadt Slums in rasantem Tempo wuchsen und weitgehend vernachlässigt blieben. 

Der Independence Square ist kein Symbol der Vergangenheit mehr – sondern Sinnbild des Wandels. Er steht für die Transformation einer Stadt, die sich von kolonialen Strukturen löst und heute in eine digitale Zukunft aufbricht. 

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