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Die Kämpfe der Ukraine erzählt mit Plastik

  • Autorenbild: Simon Kiwek
    Simon Kiwek
  • 8. Feb.
  • 9 Min. Lesezeit

Der Unternehmer Alexander Surzhenko überstand den postkommunistischen Ausnahmezustand aus Tauschhandel, Bandenwirtschaft und Kriegsfront überstand


(Bildquelle: Alexander Surzhenko, 2025)
(Bildquelle: Alexander Surzhenko, 2025)

Die 1990er im Wilden Osten

Schon als Kind liebte Alexander Surzhenko zwei Dinge: Geschichte und Modellbau. Beide Leidenschaften prägten sein Leben.

Seine Geschichte beginnt in der kommunistischen Sowjetunion, in einer Welt starrer Hierarchien und apodiktischer Strukturen. Deshalb erhielt Alexander zuerst eine technische Ausbildung. Er schloss das Luftfahrttechnische Polytechnikum ab und arbeitete als Mechaniker am Flughafen von Donezk.

Parallel dazu studierte er an der Universität Donezk und wählte skythische Archäologie – jenes antike Reitervolk, das einst die Steppen nördlich des Schwarzen Meeres beherrschte. Er veröffentlichte sogar einige wissenschaftliche Aufsätze und erhielt eine Empfehlung für die Lomonossow-Universität in Moskau, lehnte aber ab. Trotz seines Archäologiestudiums schlug er nie eine akademische Laufbahn ein.

Die ersten Jahre in Dnipro

1986 zog er mit seiner Frau und seiner Tochter nach Dnipro. Dort fand er schnell Arbeit.

„Ich bin einfach zur nächsten Schule gegangen und habe sofort eine

Stelle als Geschichtslehrer bekommen“,

erinnert er sich. Er verbrachte dort acht glückliche Jahre und erlebte die Zeit von Perestroika und Glasnost. Alexander sah die sowjetische Realität bereits kritisch, betont aber, dass er kein Dissident war.

„Das sowjetische Wirtschafts- und Politiksystem ließ keine Entwicklung zu. Ohne Veränderungen hatte die UdSSR keine Perspektive und keine Zukunft.“

Als Gorbatschow seine Reformen startete, fühlte sich Alexander bereit dafür. Doch bald folgte der Zusammenbruch der Sowjetunion. Gorbatschow verlor die Kontrolle, die Wirtschaft kollabierte und die UdSSR zerfiel.

Für Millionen Menschen in Osteuropa und Asien war es, als würde ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen. Die Ukraine wurde 1991 unabhängig von Moskau und stand plötzlich allein da.

Das wirtschaftliche Leben nach dem Kommunismus

Auf das Ende der Sowjetunion folgte ein beispielloser wirtschaftlicher und sozialer Absturz.

Die Supermarktregale waren nicht leer. Sie füllten sich mit billigen chinesischen Produkten minderer Qualität: Lebensmittel, Windeln, Kleidung. Die Menschen hungerten nicht, wie man es aus manchen afrikanischen Krisen kennt. Aber den Unternehmen fehlte das Geld.

Die Arbeitslosigkeit schoss in die Höhe, Löhne wurden nicht mehr ausgezahlt. Die Inflation kletterte auf über 10.000 Prozent – ein Rekord für ein Land ohne Krieg. Die Menschen verzweifelten und verloren den Glauben an das System. Den Firmen fehlte das Kapital, also kehrte der Tauschhandel zurück.

„Es war wie in der Steinzeit“,

erinnert sich Alexander. Eine Firma musste mit zwei oder drei Zwischenhändlern tauschen, bevor sie etwas Brauchbares erhielt. Komplexe Tausch-Netzwerke entstanden, die viele Betriebe gerade so am Leben hielten.

In dieser Zeit traten auch die „Shuttle-Trader“ auf. Sie reisten in Länder wie die Türkei, nach Ungarn, Polen oder sogar nach China und brachten alles mit, was sich weiterverkaufen ließ. Gleichzeitig wurden sie zur leichten Beute. Banden, die man „Athleten“ nannte, lauerten ihnen auf den Straßen auf und überfielen sie. Andere Gruppen organisierten Schutz und verlangten dafür eine „kleine Gebühr“.

Aus diesem Chaos entstanden die ersten Oligarchen – Unternehmer, die sich kaum von Kriminellen unterschieden. Sie halfen den Firmen, Tauschgeschäfte zu organisieren und bauten immer größere Firmenimperien auf.

Am schlimmsten, so Alexander, dass sich Polizei und Sicherheitsorgane in dieselben Netzwerke verflochten, die sie eigentlich kontrollieren sollten. Viele Beamte wurden selbst zu Geschäftemachern. Die Grenze zwischen staatlicher Gewalt und privater Macht löste sich auf.

Auf der Schießbahn (Bildquelle: Alexander Surzhenko)
Auf der Schießbahn (Bildquelle: Alexander Surzhenko)

Kein Zurück: Ein neuer Anfang

„Ja, es war eine harte Zeit. Das ganze vertraute Leben brach

zusammen und alles veränderte sich.“

1993 stand Alexander an einem Wendepunkt. Perestroika hatte für Lehrer das Ende der ideologischen Kontrolle gebracht. Gleichzeitig verlor der Beruf in den Augen vieler Schülerinnen, Schüler und der Öffentlichkeit massiv an Ansehen.

Alexander fühlte sich festgefahren. Also kündigte er – ohne Plan, aber mit Entschlossenheit. Er hatte jedoch Glück.

Seine Rettung war Karate. In der Sowjetunion war der Sport heikel. Die Behörden misstrauten allem, was Individualismus förderte. Karate galt als „ungeeignet“ für eine kollektivistische Gesellschaft. Viele trainierten deshalb heimlich in Kellern.

Alexander hatte bereits den schwarzen Gürtel. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR begann er, Karate zu unterrichten, und verdiente damit kleine Beträge.

Einige seiner Schüler hatten eine Handelsfirma gegründet. Sie waren überzeugt, dass sein Kampfsport-Hintergrund ihn zum idealen Sicherheitschef machte. Alexander nahm das Angebot an.

„Ich wurde Sicherheitschef“,

erzählt er stolz. Unter seiner Aufsicht blieb das Unternehmen unversehrt – bis auf einen missglückten nächtlichen Raubüberfall, bei dem auf den Wachmann geschossen wurde.

Karriere im Oligarchen-Milieu

Der Gassektor war damals ein hochprofitables Schlachtfeld. Firmen kauften billig in Russland und verkauften das Gas zu hohen Marktpreisen an europäische Abnehmer weiter. Wer die Kontrolle über diesen Handel gewann, verdiente leichtes Geld.

Es überrascht kaum, dass Präsident Leonid Kutschma und seine Schülerin, die „Gaskönigin“ Julija Tymoschenko, aus diesem Dniproer Wirtschaftsmilieu stammten, das die Ukraine über Jahre prägen sollte.

Dnipro war das Zentrum der sowjetischen Waffen- und Raketenindustrie und anderer Schlüsselbranchen. Die Stadt galt lange als „geschlossen“. Ausländer durften sie nicht betreten. Dieser Status schuf besonders enge Verflechtungen zwischen Industrie, Sicherheitsapparat und Politik.

Alexander erhielt weitere Aufträge von lokalen Firmen, um „für Ordnung zu sorgen“. Eine dieser Firmen verdiente ihr Geld damit, Ausrüstung für einen staatlichen Gaskonzern über Tauschgeschäfte zu beschaffen.

1996 erlebte Alexander einen weiteren Schlüsselmoment. Er fand seinen Chef im Treppenhaus, torkelnd und am Geländer festhaltend. Ein ärmlich gekleideter Mann hatte im Foyer einen Stolperer gespielt und dabei das Bein seines Chefs gepackt, erinnert sich Alexander. Er vermutet, dass der Mann ihn in diesem Moment injizierte.

Alexander legte seinen Chef auf den Boden und leistete Erste Hilfe. Er schaffte es, ihn wiederzubeleben. Später erklärten die Ärzte, jemand habe ein Muskelrelaxans gespritzt. Solche Mittel nutzt man in der Chirurgie. Sie lähmen die Muskulatur so stark, dass ein Mensch ohne künstliche Beatmung nicht mehr atmen kann.

Wäre sein Chef gestorben, hätten die Ärzte wohl „akutes Herzversagen“ festgestellt – so wie bei zwei seiner früheren Geschäftspartner, deren Tod nie wirklich aufgeklärt wurde.

Alexander sagt, er habe die Täter ausfindig gemacht und mit ihnen ein Abkommen geschlossen, um weitere Angriffe zu verhindern.

„Eine fantastische Geschichte mit Happy End“,

sagt er und lächelt. Trotzdem prüft er bis heute instinktiv Türen und Fenster und setzt sich nie mehr mit dem Rücken zur Eingangstür.

Blat-Netzwerke überleben den Sowjetstaat

Alexander sieht die Wurzeln dieses Systems in den 1970er-Jahren. Damals geriet die Sowjetunion in eine Phase der Stagnation. Es herrschte Mangel an fast allem, die Läden waren oft leer.

Das Paradox: Viele Menschen hatten Geld. Entscheidend waren jedoch Beziehungen. Man musste eine Verkäuferin oder einen Verkäufer kennen, um begehrte Waren zu bekommen – einen Kassettenrekorder, West-Jeans oder sogar Medikamente. Die Polizei bekämpfte diese „illegalen“ Zusatzeinkommen und verteidigte das staatliche Handelsmonopol.

„Blat“ war der Name für das System informeller Netzwerke, das sich in dieser Mangelwirtschaft entwickelte. Menschen nutzten persönliche Kontakte und Gefälligkeiten, um das starre zentrale Verteilungssystem zu umgehen und auszutricksen.

Nach Alexanders Eindruck fiel es vielen schwer, sich von diesen Gewohnheiten zu lösen. Auch nach der Unabhängigkeit versuchten sie, Probleme über Bekannte und Netzwerke zu lösen. Mit dem Zusammenbruch des sowjetischen Rechtsrahmens verschwanden die Blat-Strukturen nicht. Sie verwandelten sich in offene Korruption.

Schutzgeld und Bestechung waren nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall – für jeden Unternehmer, egal wie klein. Alexander möchte gar kein Beispiel nennen:

„Alles war davon durchdrungen.“

Das System hatte alle Ebenen der Gesellschaft erfasst. Zahlungen an Ärztinnen, Anwälte oder Polizisten wurden oft beschönigend als „Trinkgeld“ bezeichnet.

Die Verteidigung von Kyjiw: Selbst im Krieg spielt Blat weiterhin eine entscheidende Rolle. Viele Einheiten stützen sich auf informelle Netzwerke, die sie mit Geld, Lebensmitteln, Munition und sogar Drohnen versorgen. In der Praxis funktionieren manche Bataillone fast wie Privatunternehmen. Dieses Diorama zeigt eine Szene aus der Verteidigungsschlacht um Kyjiw. (Bildquelle: Masterbox, 2022)
Die Verteidigung von Kyjiw: Selbst im Krieg spielt Blat weiterhin eine entscheidende Rolle. Viele Einheiten stützen sich auf informelle Netzwerke, die sie mit Geld, Lebensmitteln, Munition und sogar Drohnen versorgen. In der Praxis funktionieren manche Bataillone fast wie Privatunternehmen. Dieses Diorama zeigt eine Szene aus der Verteidigungsschlacht um Kyjiw. (Bildquelle: Masterbox, 2022)

Leben als Pfandleiher

So übernahm Alexander schließlich die Leitung eines Pfandhauses. Er nennt es ein zwielichtiges, „dreckiges“ Geschäft – besonders in einem Übergangsland wie der Ukraine der 1990er-Jahre. Er musste die Interessen von Banditen, Polizei und Finanzamt ausbalancieren. Nur so konnte er die ständigen Konflikte begrenzen, die ein solches Geschäft in dieser Zeit mit sich brachte.

Alexander erzählt, dass er das Pfandhaus in ein profitables Unternehmen verwandelte und sich einen Ruf als ehrlicher Vermittler erarbeitete. Trotzdem geriet er immer wieder in gefährliche Situationen mit Kriminellen – einmal sogar in eine direkte Konfrontation alleine gegen bewaffnete Gangster.

Banditen hatten einen Kunden entführt, der ihnen Geld schuldete, und drohten, ihn zu töten. Alexander wies seinen Assistenten an, Verstärkung bei jener Bande zu holen, die ihr Pfandhaus „beschützte“. Es musste schnell gehen, also stellte er sich zunächst allein neun dieser „Athleten“.

Er schaffte es, die Lage so lange unter Kontrolle zu halten, bis Hilfe eintraf. Der Sicherheitschef, ein pensionierter Milizionär, der selbst kaum über die Runden kam, schimpfte ihn danach einen Idioten. War ihm nicht klar, dass er dabei sterben konnte?

Erste Impulse zum Modellbau

Schon als Kind war Alexander von Modellen und Geschichte fasziniert. Die Idee, eine Modellbaufirma zu gründen, entstand aus einem glücklichen Zufall und dieser alten Leidenschaft. Seine technische Ausbildung und seine Arbeit mit archäologischem Material gaben ihm ein stabiles Fundament. Ein Zeitungsartikel über Modellbau als Geschäftsmodell gab schließlich den Anstoß.

 

Alexander überzeugte seine Chefs im Pfandhaus, ein erstes Projekt zu finanzieren. Sie produzierten flache Figuren griechischer Hopliten im Maßstab 1:35 für die ukrainische Marke SKIF. Doch der Start misslang. Die Ukraine rutschte in eine neue Krise, und seinem Team fehlte Erfahrung in Vertrieb und Verkauf.

Alexander gab nicht auf. Mit großem Aufwand brachte er ein erstes Fahrzeugmodell auf den Markt: einen leichten deutschen Panzer I. Doch auch dieser Bausatz verkaufte sich schlecht. Also holte er Verstärkung, unter anderem den begabten Bildhauer Anatoly Gagarin. Sie ergänzten den Panzer um Figuren – einen Sanitäter und zwei verwundete Soldaten. Zum ersten Mal verdiente das Team damit wirklich Geld.

Bald wurde klar, dass der ukrainische Markt zu klein war, um das Unternehmen zu tragen. Die Marke Master Box begann zu exportieren. 2005 stellte das Team auf der Spielwarenmesse in Nürnberg aus. Dort gewannen sie ihren ersten internationalen Partner: Takashi Kono, der Master Box bis heute in Japan vertreibt.

Damals beherrschten bereits große Hersteller aus China, Russland, Japan und sogar der Ukraine den Markt für Militärfiguren. Um sich abzuheben, gab Master Box seinen Figuren Persönlichkeit und Emotion. So entstand die Idee der „Vignette in der Schachtel“. Ein Set sollte nicht einfach nur einen stehenden, einen knienden und einen schießenden Soldaten enthalten.

“Die Figuren sollen sprechen”,

says Alexander. sagt Alexander. Jedes Set erzählt eine kleine Szene. Hobbybastler können damit eine kompakte Geschichte auf einer Base gestalten oder die Figuren in komplexe Dioramen mit emotionaler Tiefe einbauen. So entstand Master Box in der Form, wie die Marke heute bekannt ist. Der eigentliche Kern der Firma sind Figuren, mit denen sich Geschichten erzählen lassen.

Auf diese Weise etablierte sich Master Box in der globalen Modellbauszene. Die Themen reichen von den griechisch-persischen und napoleonischen Kriegen über die Indianerkriege bis hin zu Fantasy und postapokalyptischen Zombie-Invasionen.

Master Box Sortiment: Vom griechisch-persischen Krieg über die napoleonische Zeit bis zu den Indianerkriegen reicht das Sortiment von Master Box. Selbst apokalyptische Zombie-Szenen lassen sich mit den Sets nachstellen. (Bildquelle: Masterbox)
Master Box Sortiment: Vom griechisch-persischen Krieg über die napoleonische Zeit bis zu den Indianerkriegen reicht das Sortiment von Master Box. Selbst apokalyptische Zombie-Szenen lassen sich mit den Sets nachstellen. (Bildquelle: Masterbox)

Der Krieg erreicht Dnipro – Master Box hält durch

Am Morgen des 24. Februar 2022 erreichte der Krieg Alexander direkt. Um 4:21 Uhr rissen Explosionen ihn und seine Frau aus dem Schlaf. Kalibr-Raketen trafen den militärisch genutzten Flughafen von Dnipro. Die Druckwellen erschütterten ihr Haus und „gingen durch jede Zelle des Körpers“.

Das Erlebnis veränderte ihren Blick auf das Leben. Eine Nachbarin rief an und fragte, was passiere. Alexander antwortete: „Der Krieg hat begonnen.“ Er riet ihr, sofort zu packen und zu fahren, bevor die Straßen sich mit Flüchtenden füllten.

Alexander und seine Frau Marina entschieden sich, in Dnipro zu bleiben und zu helfen. Nach außen wirkte er ruhig, innerlich spürte er Schock und Wut. Er wollte kämpfen. Die ersten drei Monate fühlten sich an wie ein einziger, langer, erschöpfender Tag.

Gleichzeitig erlebte er einen starken Patriotismus und Zusammenhalt. Er reiste, um Geld für Munition und andere dringend benötigte Güter zu sammeln. Gemeinsam mit anderen organisierten sie Patrouillen. Marina mobilisierte die weltweite Modellbau-Community und sammelte Spenden für die Ukraine.

Je länger der Krieg dauerte, desto stärker veränderte sich auch der Alltag. Alexander und Marina stießen auf eine starre Bürokratie und Formalismus, die nicht mehr zu einem Land im Krieg passten. Mit der Zeit stabilisierte sich das Leben in Dnipro dennoch wieder etwas.

Beide fühlten sich für ihre Mitarbeitenden verantwortlich. Die Produktion war immer in Dnipro geblieben und baute auf lokales Wissen und lokale Arbeitskräfte. Maschinen und Rohstoffe mussten sie importieren, doch Know-how und Fertigung blieben in der Ukraine.

Die Firma kontrollierte die gesamte Kette – vom Design über den Werkzeugbau bis zur Verpackung. Auslagern nach China kam für sie nicht infrage, auch wenn es billiger gewesen wäre. So trugen sie dazu bei, die ukrainische Wirtschaft zu stützen.

Zu Beginn des Krieges sanken die Exporte um etwa 30 Prozent. Materialengpässe, Stromausfälle und gestörte Logistik erschwerten die Arbeit. Trotzdem konnten sie die Zahl der Beschäftigten halten. Enge Zusammenarbeit mit Partnern wie ICM und Marinas außergewöhnliche Organisationsarbeit halfen, Lieferketten und Kontakte zu Produktionsstandorten improvisiert wieder aufzubauen.

Für Alexander war der Weiterbetrieb des Unternehmens nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung. Er sah darin eine ethische Pflicht, Einkommen und Stabilität für alle Beteiligten zu sichern. Marina übernahm einen großen Teil dieser Verantwortung.

Sie führt die kaufmännische Seite von Master Box und stellte die Lieferketten wieder her. Die Firma konnte sogar ihren Veröffentlichungsrhythmus weitgehend halten und weiter weltweit exportieren – trotz höherer Kosten und zusätzlichem Aufwand.

Ein Diorama zeigt eine Szene aus Butscha: Die Bausätze von Master Box sollen Geschichten erzählen. Es liegt daher nahe, auch die russische Invasion der Ukraine in diesem Format darzustellen. Überall auf der Welt erschaffen Hobby-Modellbauer Dioramen, die Szenen dieses Krieges einfangen. Doch, so beobachtet Alexander, diese modernen Kriegsszenen sind weniger beliebt als Darstellungen des Zweiten Weltkriegs oder postapokalyptische Szenarien. (Bildquelle: Masterbox, 2023)
Ein Diorama zeigt eine Szene aus Butscha: Die Bausätze von Master Box sollen Geschichten erzählen. Es liegt daher nahe, auch die russische Invasion der Ukraine in diesem Format darzustellen. Überall auf der Welt erschaffen Hobby-Modellbauer Dioramen, die Szenen dieses Krieges einfangen. Doch, so beobachtet Alexander, diese modernen Kriegsszenen sind weniger beliebt als Darstellungen des Zweiten Weltkriegs oder postapokalyptische Szenarien. (Bildquelle: Masterbox, 2023)

Dnipro heute..

Wer heute nach Dnipro kommt, würde nicht sofort an eine Stadt denken, die nur rund 100 Kilometer von der Front entfernt liegt. Baukräne ragen über neuen Wohnblöcken auf. Am Fluss entstehen Promenaden, Freizeitflächen und Restaurants.

Im Zentrum eröffnen trotz Ausgangssperre immer neue Cafés und Bars. Es gibt Salsa-Kurse, Studierende streifen durch die Straßen. Museen, die die Geschichte der Stadt erzählen, richten sich inzwischen auch an internationale Besucher – auch wenn viele von ihnen für Hilfsorganisationen arbeiten. Hier pulsiert das Leben.

Alexander blickt – wie viele Ukrainerinnen und Ukrainer – auf einen Sieg und auf die wirtschaftliche Ausdauer des Landes. Weder Russland noch Europa hatten mit einem so langen Krieg gerechnet oder sich darauf vorbereitet.

Die öffentliche Aufmerksamkeit richtet sich vor allem auf die ukrainische Armee. Die wirtschaftliche Widerstandskraft des Landes bleibt dagegen oft im Hintergrund. Doch seit Sowjetzeiten sind die Menschen in der Ukraine daran gewöhnt, ihr Überleben leise im Schatten zu organisieren – mit Netzwerken, Improvisation und kleinen Unternehmen wie Master Box.

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