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Geschichte der indischen Migration

  • Autorenbild: Simon Kiwek
    Simon Kiwek
  • vor 5 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Während Indien erst im 21. Jahrhundert durchstartete, begann ihre Integration in die Welt bereits sehr viel früher.

Abbildung 1 Der Exodus der Roma: Genau lässt es sich nicht mehr datieren – doch genetische und linguistische Forschungen verorten die erste Auswanderungswelle der Roma zwischen 500 und 1000 nach Christus, ausgehend aus Nordwestindien. Genetische Evidenz weist ihre Ursprünge vor allem den unteren Kasten und Stämmen der Regionen Punjab, Rajasthan und Haryana zu. Die ursprünglichen Beweggründe für ihre massenhafte Auswanderung bleiben bis heute ein Mysterium. Klar ist: in mehreren Wellen zogen sie entlang der Seidenstraße westwärts, von wo sie sich über nahezu alle Regionen Europas verteilten. Ihr Hauptsiedlungsgebiet blieb jedoch der Balkan und Osteuropa – heute leben die größten Roma-Gemeinschaften in Rumänien, Bulgarien, Ungarn, der Slowakei, Serbien, Spanien und der Türkei. Bis heute leben viele Roma als wirtschaftlich marginalisierte Bevölkerungsgruppe, vorwiegend in Osteuropa. Ihre indo-arische Sprache haben sie über Jahrhunderte bewahrt – ebenso wie ihre Abneigung gegenüber der Sesshaftigkeit. Selbst kommunistische Zwangsmaßnahmen konnten daran nichts ändern. Damit zählt die Migration der Roma zu den ältesten gut dokumentierten großräumigen Diasporas aus Südasien – und zu einer der bemerkenswertesten der Weltgeschichte.
Abbildung 1 Der Exodus der Roma: Genau lässt es sich nicht mehr datieren – doch genetische und linguistische Forschungen verorten die erste Auswanderungswelle der Roma zwischen 500 und 1000 nach Christus, ausgehend aus Nordwestindien. Genetische Evidenz weist ihre Ursprünge vor allem den unteren Kasten und Stämmen der Regionen Punjab, Rajasthan und Haryana zu. Die ursprünglichen Beweggründe für ihre massenhafte Auswanderung bleiben bis heute ein Mysterium. Klar ist: in mehreren Wellen zogen sie entlang der Seidenstraße westwärts, von wo sie sich über nahezu alle Regionen Europas verteilten. Ihr Hauptsiedlungsgebiet blieb jedoch der Balkan und Osteuropa – heute leben die größten Roma-Gemeinschaften in Rumänien, Bulgarien, Ungarn, der Slowakei, Serbien, Spanien und der Türkei. Bis heute leben viele Roma als wirtschaftlich marginalisierte Bevölkerungsgruppe, vorwiegend in Osteuropa. Ihre indo-arische Sprache haben sie über Jahrhunderte bewahrt – ebenso wie ihre Abneigung gegenüber der Sesshaftigkeit. Selbst kommunistische Zwangsmaßnahmen konnten daran nichts ändern. Damit zählt die Migration der Roma zu den ältesten gut dokumentierten großräumigen Diasporas aus Südasien – und zu einer der bemerkenswertesten der Weltgeschichte.
Abbildung 2: Bombay, 1915. Ab dem 17. Jahrhundert etablierten europäische Mächte Handelsposten in Kalkutta, Bombay und Madras – das eröffnete vielen Indern selbst Möglichkeiten zur Migration: als Seeleute in der britischen Flotte, als Au Pairs (Ayahs) in England oder als tamilische Lehrer im Deutschland des frühen 18. Jahrhunderts. Der europäische Einfluss hatte schwerwiegende Folgen für Indien selbst – öffnete vielen Indern aber zugleich eine völlig neue Welt. (Bildquelle: Samuel Scott/wikicommons, 1731)
Abbildung 2: Bombay, 1915. Ab dem 17. Jahrhundert etablierten europäische Mächte Handelsposten in Kalkutta, Bombay und Madras – das eröffnete vielen Indern selbst Möglichkeiten zur Migration: als Seeleute in der britischen Flotte, als Au Pairs (Ayahs) in England oder als tamilische Lehrer im Deutschland des frühen 18. Jahrhunderts. Der europäische Einfluss hatte schwerwiegende Folgen für Indien selbst – öffnete vielen Indern aber zugleich eine völlig neue Welt. (Bildquelle: Samuel Scott/wikicommons, 1731)

Abbildung 3: Mohandas Karamchand Gandhi, Südafrika 1906. Vielen Europäern ist Gandhi als Vater der indischen Unabhängigkeit bekannt. Doch seine prägende Laufbahn begann viel früher – und ebenfalls als Migrant. Als er 1888 für ein Studium nach England aufbrach, erklärte er seinen Freunden: „Ich hoffe, manche von euch werden eines Tages meinen Fußstapfen folgen und nach eurer Rückkehr aus England aus ganzem Herzen für große Reformen in Indien arbeiten."  In England beschäftigte er sich neben dem Studium der Rechtswissenschaften auch mit Religionen, trat der Vegetarischen Gesellschaft bei und suchte zugleich die Integration in die britische Gesellschaft – durch Tanzunterricht, Französischstunden und englische Mode. Pressefreiheit und Streikkultur faszinierten ihn, während er sich mit den politischen Strömungen seiner Zeit auseinandersetzte: Sozialismus, Anarchismus, Atheismus und Pazifismus. In seine jungen Jahre kehrte er nur kurzzeitig nach Indien zurück. Stattdessen verschlug es ihn nach Südafrika, wo er als dunkelhäutiger Mann wiederholt mit der Rassentrennung in Konflikt geriet. Die drohende Aberkennung des Wahlrechts für die rund 60.000 Inder im Land trieb ihn zu ersten Widerstandsaktionen gegen die südafrikanische Kolonialregierung. Um die Briten von der Loyalität der Inder zu überzeugen, nahm er als Sanitäter am Burenkrieg teil. 1906 half er während des Zulu-Aufstandes als Sanitäter beiden Seiten – während ihn die britische Gewalt erschütterte. Aus diesen Erfahrungen entwickelte er einen kastenübergreifenden Neohinduismus und die Idee des Satyagraha: kompromisslose Gewaltlosigkeit, verbunden mit der Bereitschaft, Schmerz und Leiden zu ertragen, um das Gewissen des Gegners anzusprechen – eine Waffe des geistig und moralisch Starken. Erst 1914, im Alter von 45 Jahren, trat Gandhi die Heimreise nach Indien an – geprägt von zwei Jahrzehnten als Migrant, Aktivist und Denker. Mit diesem Rüstzeug begleitete er Indien bei vielen Meilenstein auf dem Weg zur Unabhängigkeit. 1947 erlebte er die Geburt der größten Demokratie der Welt. Ein Jahr später ermordete ihn ein fanatischer Hindu-Nationalist. (Bildquelle: wikicommons, 1906)
Abbildung 3: Mohandas Karamchand Gandhi, Südafrika 1906. Vielen Europäern ist Gandhi als Vater der indischen Unabhängigkeit bekannt. Doch seine prägende Laufbahn begann viel früher – und ebenfalls als Migrant. Als er 1888 für ein Studium nach England aufbrach, erklärte er seinen Freunden: „Ich hoffe, manche von euch werden eines Tages meinen Fußstapfen folgen und nach eurer Rückkehr aus England aus ganzem Herzen für große Reformen in Indien arbeiten."  In England beschäftigte er sich neben dem Studium der Rechtswissenschaften auch mit Religionen, trat der Vegetarischen Gesellschaft bei und suchte zugleich die Integration in die britische Gesellschaft – durch Tanzunterricht, Französischstunden und englische Mode. Pressefreiheit und Streikkultur faszinierten ihn, während er sich mit den politischen Strömungen seiner Zeit auseinandersetzte: Sozialismus, Anarchismus, Atheismus und Pazifismus. In seine jungen Jahre kehrte er nur kurzzeitig nach Indien zurück. Stattdessen verschlug es ihn nach Südafrika, wo er als dunkelhäutiger Mann wiederholt mit der Rassentrennung in Konflikt geriet. Die drohende Aberkennung des Wahlrechts für die rund 60.000 Inder im Land trieb ihn zu ersten Widerstandsaktionen gegen die südafrikanische Kolonialregierung. Um die Briten von der Loyalität der Inder zu überzeugen, nahm er als Sanitäter am Burenkrieg teil. 1906 half er während des Zulu-Aufstandes als Sanitäter beiden Seiten – während ihn die britische Gewalt erschütterte. Aus diesen Erfahrungen entwickelte er einen kastenübergreifenden Neohinduismus und die Idee des Satyagraha: kompromisslose Gewaltlosigkeit, verbunden mit der Bereitschaft, Schmerz und Leiden zu ertragen, um das Gewissen des Gegners anzusprechen – eine Waffe des geistig und moralisch Starken. Erst 1914, im Alter von 45 Jahren, trat Gandhi die Heimreise nach Indien an – geprägt von zwei Jahrzehnten als Migrant, Aktivist und Denker. Mit diesem Rüstzeug begleitete er Indien bei vielen Meilenstein auf dem Weg zur Unabhängigkeit. 1947 erlebte er die Geburt der größten Demokratie der Welt. Ein Jahr später ermordete ihn ein fanatischer Hindu-Nationalist. (Bildquelle: wikicommons, 1906)

Abbildung 4 Indiens Top-CEOs: Satya Nadella (links) wurde in Hyderabad geboren und absolvierte dort sein Technikstudium, bevor er in die USA migrierte und einen Masterabschluss erwarb. 1992 begann er seine Karriere bei Microsoft – seit 2014 leitet er das Unternehmen als CEO. Sundar Pichai (Mitte) wuchs im südindischen Madurai in einfachen Verhältnissen auf. Auch er erwarb einen Master in den USA und kam 2004 zu Google. Als die Gründer sich aus dem operativen Geschäft zurückzogen, übernahm Pichai die Gesamtverantwortung – sowohl für Google als auch für die Dachgesellschaft Alphabet Inc.Arvind Krishna (rechts) kam für seinen Doktortitel in Elektrotechnik in die USA. Bei IBM arbeitete er sich zunächst zum Vizepräsidenten der Cloud-Software-Sparte hoch – seit 2020 führt er IBM als CEO.(Bildquellen: wikicommons)
Abbildung 4 Indiens Top-CEOs: Satya Nadella (links) wurde in Hyderabad geboren und absolvierte dort sein Technikstudium, bevor er in die USA migrierte und einen Masterabschluss erwarb. 1992 begann er seine Karriere bei Microsoft – seit 2014 leitet er das Unternehmen als CEO. Sundar Pichai (Mitte) wuchs im südindischen Madurai in einfachen Verhältnissen auf. Auch er erwarb einen Master in den USA und kam 2004 zu Google. Als die Gründer sich aus dem operativen Geschäft zurückzogen, übernahm Pichai die Gesamtverantwortung – sowohl für Google als auch für die Dachgesellschaft Alphabet Inc.Arvind Krishna (rechts) kam für seinen Doktortitel in Elektrotechnik in die USA. Bei IBM arbeitete er sich zunächst zum Vizepräsidenten der Cloud-Software-Sparte hoch – seit 2020 führt er IBM als CEO.(Bildquellen: wikicommons)



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